Ein Arbeiter klettert auf einen Funkmast in einem Wald.
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Richtfunk-Internet (Wireless Local Loop): So funktioniert die Alternative zu DSL und Co.

Für blinde Internetflecken, die Standortanbindung, den Katastrophenschutz oder als Sicherheitsnetz: Internet per Richtfunk ist ein Multitalent. Diese Technologie eröffnet Ihrem Unternehmen neue Möglichkeiten. Vernetzen Sie z. B. verschiedene Standorte, um schneller und sicherer zu kommunizieren. Auch abgelegene Niederlassungen, für die es keine Glasfaserverbindung gibt, können Sie so mit schnellem Internet versorgen.

Der Glasfaserausbau schreitet stetig voran. Doch aktuell gibt es noch Orte, in denen die Netzgeschwindigkeit nicht mit den Anforderungen von Unternehmen Schritt hält. Breitbandinternet ist im Zuge der Digitalisierung allerdings eine zwingende Voraussetzung für die meisten Firmen, um konkurrenzfähig zu sein und attraktiv für Kund:innen und Mitarbeiter:innen zu bleiben. Beispielsweise nutzen mehr als 80 Prozent der deutschen Unternehmen bereits Cloud-Computing in unterschiedlichen Formen – Tendenz steigend.

Ist die Internetgeschwindigkeit in einer Ihrer Niederlassungen zu langsam, kann Internet per Richtfunk Abhilfe schaffen – auf diese Weise lässt sich die Digitalisierung auch an bislang nicht ausgebaute Standorte tragen. Doch was ist Richtfunk-Internet genau und wie können Sie es konkret nutzen? Das erfahren Sie hier.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Richtfunk?

Richtfunk, auch unter dem englischen Begriff Wireless Local Loop (WLL) bekannt, ist eine drahtlose Übertragungstechnik. Die Daten werden mittels Mikrowellen zwischen zwei Punkten mit Sichtverbindung übertragen. Im Gegensatz zu Rundfunk, der in alle Richtungen sendet, erfolgt die Übertragung beim Richtfunk durch stark gebündelte Signale in eine spezifische Richtung.
Richtfunk arbeitet in der Regel im Mikrowellenbereich (1 Gigahertz bis 300 Gigahertz). Dies ermöglicht eine hohe Datenübertragungsrate und ist wenig störanfällig. Zum Einsatz kommt die Technologie häufig, um Fernsehsignale zu übertragen und um entfernte Standorte an Firmennetzwerke anzubinden. Letzteres bietet sich vor allem in ländlichen Gebieten an, die nur dünn besiedelt sind. Dort ist der Breitbandausbau per Kabel häufig sehr teuer oder aufgrund der geographischen Gegebenheiten nur schwierig umzusetzen.
Oft ist im Zusammenhang mit Richtfunk auch vom Datentransfer auf der „letzten Meile“ die Rede. Das bedeutet, dass Richtfunk die Datenübertragung zwischen Ihrem Standort und dem Kernnetz übernimmt, also leistungsstarken Glasfaserkabeln oder Satellitenverbindungen.
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Wie funktioniert Internet über Richtfunk?

Richtfunk überträgt Mikrowellensignale zwischen zwei oder mehreren festen Standorten. Dafür müssen die zu übertragenden Daten zunächst in elektronische Signale umgewandelt werden. Über eine Richtantenne (z. B. eine Parabolantenne) bündelt die Sendestation diese Signale und strahlt sie in eine spezifische Richtung aus. Das gebündelte Mikrowellensignal gelangt auf diese Weise durch die Luft zu einer Empfangsstation, die ebenfalls mit einer Richtantenne ausgestattet ist und das Signal verarbeitet.
Bei Richtfunk gibt es zwei Funktionsarten:
  • Point-to-Point (PTP): Beim klassischen Richtfunk per Punkt-zu-Punkt-Übertragung sind zwei Stationen direkt miteinander verbunden. Diese Verbindung bietet eine hohe Bandbreite und Zuverlässigkeit.
  • Point-to-Multipoint (PMP): Bei der Punkt-zu-Mehrpunkt-Übertragung sendet eine Basisstation ein Signal, das die sogenannten Clients empfangen. Diese Verbindung eignet sich für Regionen, die eine hohe Abdeckung benötigen, etwa für die Internetbereitstellung auf dem Land.

Reichweite und Geschwindigkeit

Beim Richtfunk hängt die Übertragungsgeschwindigkeit stark von der zu überwindenden Distanz ab. Generell gilt: Je höher die verwendete Frequenz, desto niedriger die Reichweite. Grundsätzlich überbrückt die Technologie Entfernungen von über 120 Kilometern, wenn sogenannte Hops (oder Repeater) zum Einsatz kommen. Ohne diese zusätzlichen Signalverstärker sind bei Richtfunk Übertragungsdistanzen von bis zu 50 Kilometern möglich.
Je nach Entfernung eignen sich unterschiedliche Frequenzbereiche, die jeweils verschieden hohe Datenübertragungsgeschwindigkeiten ermöglichen:
  • E-Band: Sehr hohe Frequenzen (70–80 GHz) und Geschwindigkeiten (bis zu 20 GBit/s).
  • Multiband: Verwendet verschiedene Frequenzbänder (2 GHz, 5 GHz oder 24 GHz) und bietet eine Geschwindigkeit von bis zu 10 GBit/s.
  • Klassischer Richtfunk: Wird üblicherweise im 6-GHz- bis 42-GHz-Band betrieben und erlaubt bis zu 2 GBit/s.

Vorteile des Richtfunkeinsatzes für Ihr Unternehmen

Richtfunk trägt maßgeblich zum 5G-Ausbau im ländlichen Raum bei. Außerdem bietet die Technologie Unternehmen eine zuverlässige Möglichkeit zur Internetanbindung in Gebieten, in denen eine kabelgebundene Verbindung zu teuer oder schwer umzusetzen ist. Zudem dient Richtfunk als Back-up-Lösung für bestehende Internetverbindungen, da die Technik unabhängig von physischen Leitungen funktioniert und somit eine zusätzliche Ausfallsicherheit gewährleistet.
Trotz möglicher topografischer Herausforderungen oder lokalen Extremwetterereignissen ist das Ziel der Richtfunk-Anbieter, eine Verfügbarkeit von mehr als 99,995 Prozent sicherzustellen. Das entspricht einer Ausfallzeit von 28 Minuten verteilt über das ganze Jahr.

Vor- und Nachteile gegenüber Kabel und Satellit

Vorteile:
  • Richtfunk kann Daten mit mehreren Gigabit pro Sekunde übertragen und ist damit schneller als viele DSL- und Satellitenverbindungen.
  • Im Vergleich zu Satellitenverbindungen hat Richtfunk eine geringere Latenz.
  • Ein Kabel zu verlegen, ist meist teurer und erfordert mehr Zeit als die Installation einer Richtfunkanlage.
  • Richtfunk lässt sich auch in ländlichen Regionen umsetzen.
Nachteile:
  • Widrige Wetterverhältnisse und Funkinterferenzen durch andere Funk- oder Satellitenanlagen können das Richtfunksignal beeinflussen.
  • Richtfunkanlagen funktionieren nur bei Sichtverbindung zwischen zwei Stationen. Das kann eine Installation komplex machen.
  • Die geringe Verbreitung von Richtfunk kann den Support in manchen Regionen erschweren.
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Voraussetzungen und Verfügbarkeit

Um das Internet per Richtfunk zu nutzen, müssen Sie in Ihrem Unternehmen einige Voraussetzungen schaffen. Die wichtigsten davon sind:
  • Hardware anschaffen: Die wichtigste Voraussetzung für Richtfunk ist die passende Hardware. Je nach benötigter Bandbreite und der Entfernung zwischen den Standorten benötigen Sie geeignete Richtantennen sowie die passende Sende- und Empfangsausrüstung. Diese stellen Ihnen spezialisierte Dienstleister zur Verfügung.
  • Sichtverbindung sicherstellen: Die Richtantennen müssen so aufgestellt sein, dass eine Sichtverbindung zwischen den beiden zu vernetzenden Stationen besteht – auch Line of Sight (LOS) genannt. Aus diesem Grund finden sich die Antennen meist an einem erhöhten Ort, etwa auf einem Dach oder an einem Turm.
  • Frequenzen beantragen: Um Mikrowellenfrequenzen zu nutzen, müssen Sie eine Lizenz und eine Genehmigung für die gewünschten Frequenzbänder bei der Bundesnetzagentur beantragen. In diesem Zuge müssen Sie der Agentur einen Nachweis vorlegen, dass Ihre Hardware den Anforderungen des Funkanlagengesetzes (FuAG) entspricht – z. B. in Form von europäischen Normen, die die Geräte erfüllen.
Die Verfügbarkeit von Richtfunk-Internet können Sie nicht komplett selbst beeinflussen: Letztlich muss für eine gute und schnelle Datenübertragung per Richtfunk das Wetter mitspielen. Zwar bricht die Verbindung bei schlechtem Wetter nicht sofort ab – dennoch können Regen, Schnee und auch Nebel negativen Einfluss auf die Qualität der Mikrowellensignale haben.
Übrigens: Wenn Sie vor Ort nicht über schnelles Internet per Telefonleitung verfügen, gibt es eine weitere Alternative. Der Übertragungsstandard DOCSIS (Data Over Cable Service Interface Specification) bringt Breitbandinternet über den Kabelanschluss an Ihren Unternehmensstandort. Wir erklären an anderer Stelle, wie DOCSIS genau funktioniert.
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Richtfunk-Internet: Diese Hardware-Anbieter gibt es

Aufgrund der regional sehr unterschiedlichen Anforderungen an den Richtfunk hat sich eine Vielzahl von Anbietern auf dem Markt etabliert. Vodafone unterstützt Sie bei der Suche eines geeigneten Partners. Schließlich müssen Sie die spezifischen Bedürfnisse und Anforderungen Ihres Unternehmens berücksichtigen, um die passende Hardware auszuwählen.
Zu den bekanntesten Anbietern für Richtfunktechnologie gehören:
  • Cisco Systems
  • Cambium Networks
  • Ericsson
  • NEC Corporation
  • Siklu
  • Mimosa Networks
  • MikroTik
  • Radwin
  • Ubiquiti Networks
  • EnGenius
  • Ceragon

Sicherheit von Richtfunk für Ihr Unternehmen

Richtfunk gilt als sichere Technologie. Doch es gibt auch beim Richtfunk Risiken, die sich jedoch mit entsprechender Planung minimieren lassen. Dazu gehören neben den Interferenzen durch extreme Wetterbedingungen auch Störungen durch andere elektronische Geräte wie Funk- und Satellitenanlagen. Mit technischen Maßnahmen wie einer adaptiven Modulation (Anpassung der Übertragung an Faktoren wie Signalstärke oder Rauschpegel) und Redundanz (Bereitstellung zusätzlicher Übertragungswege) können Sie diese Risiken minimieren.

Datensicherheit bei Richtfunk

Richtfunk bietet ein hohes Maß an Datensicherheit: Richtfunkverbindungen sind in der Regel Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Das bedeutet, dass es nur einen Sender und einen Empfänger für eine individuelle Frequenz gibt. Zudem ist eine physische Präsenz im direkten Übertragungspfad notwendig, um überhaupt Zugriff auf die Verbindung zu erlangen. Dies macht es prinzipiell schwierig, die Daten abzuhören, da es in der Regel keine anderen Stationen in der Nähe gibt, die diese Daten empfangen können.
Allerdings sind staatliche Akteure wie etwa Nachrichtendienste in der Lage, Richtfunkverbindungen per Satellit auszulesen. Wie bei anderen Datenübertragungen sollten Sie also auch beim Internet per Richtfunk eine moderne Verschlüsselungstechnik verwenden. Damit bleiben Ihre Daten geschützt – selbst wenn es Dritten gelingt, den Datenverkehr mitzulesen.
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Das Wichtigste zu Richtfunk-Internet in Kürze

  • Richtfunk (Wireless Local Loop) ist eine drahtlose Übertragungstechnik zwischen zwei oder mehreren Richtantennen mit Sichtverbindung.
  • Mit Richtfunk können Sie Distanzen zwischen dem Kernnetz und einem bestimmten Standort überbrücken. Deshalb ist auch von der „letzten Meile“ die Rede.
  • Eine Internetverbindung per Richtfunk eignet sich vor allem für Gebiete, in denen es zu aufwendig oder teuer wäre, kabelgebundene Lösungen aufzubauen.
  • Ihr Unternehmen muss bestimmte Voraussetzungen schaffen, um Richtfunk für die Datenübertragung zu verwenden. Dazu gehören die für Ihr Unternehmen passende Hardware, eine Sichtverbindung zwischen Sende- und Empfangsstation sowie die Freischaltung einer individuellen Frequenz durch die Bundesnetzagentur.
  • Richtfunk gilt als sichere Übertragungsmethode mit geringen Ausfallzeiten und gewährt eine hohe Datensicherheit, wenn Sie moderne Verschlüsselungsmethoden nutzen. Schlechtes Wetter und Interferenzen durch andere elektronische Geräte können jedoch Signalstörungen verursachen.
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